Es passiert gerade jeden Tag, ohne dass du es merkst. Jemand sucht nach einem Anwalt für sein Problem. Google zeigt ihm eine KI-Zusammenfassung. Darin steht etwas über eine Kanzlei, die genau auf seinen Fall spezialisiert ist – oder eben auch nicht. Vielleicht stimmt es. Vielleicht hat die KI es sich einfach zusammengereimt. Der potenzielle Mandant klickt weiter, du weißt von nichts, und das Mandat ist weg. Jeden Monat. Lautlos.
Ich spreche in dieser Folge des Kanzleikompass mit Michael Wolf über ein Urteil, das viele noch nicht auf dem Schirm haben – aber haben sollten. Das LG München I hat Ende Mai 2025 entschieden, dass Google als Störer für eigenständige Falschaussagen in AI-Overviews haftet. Ordnungsgeld: bis zu 250.000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, aber die Richtung ist klar. Und sie geht uns alle etwas an.
Was ist eigentlich passiert?
Zwei Münchner Verlaghäuser haben gegen Google geklagt, weil die KI-Zusammenfassung in den Suchergebnissen schlicht Falsches über sie geschrieben hat. Nicht verlinkt. Nicht zitiert. Selbst formuliert – und falsch. Sie sind dagegen vorgegangen und haben in dieser Instanz Recht bekommen.
Was das bedeutet: Google ist nicht mehr nur eine Liste von Links. Google schreibt jetzt aktiv über dich. Über deine Kanzlei. Über deine Spezialisierungen. Über deinen Ruf. Und zwar auf Basis dessen, was es im Netz über dich findet – konsistent oder nicht, aktuell oder veraltet, vollständig oder lückenhaft.
Das ist eine neue Qualität. Denn bisher galt: Google verlinkt, Webseitenbetreiber haften für ihre Inhalte. Jetzt generiert Google eigene Texte. Und diese Texte beeinflussen, ob ein Mandant zu dir kommt oder nicht.
Die echte Gefahr ist nicht das Urteil
Das Urteil ist interessant, ja. Aber es ist nicht das eigentliche Problem für dich als Kanzleiinhaber. Das eigentliche Problem ist die Dunkelziffer.
Ich sage meinen Mandanten immer: Du weißt nie, was du nicht weißt. Wenn jemand nicht anruft, weil die KI Falsches über dich gesagt hat, dann erfährst du es nicht. Du siehst keine entgangene Anfrage. Du siehst keine Statistik, die dir sagt: Diesen Monat haben fünf potenzielle Mandanten aufgrund einer falschen KI-Zusammenfassung das Erstgespräch nicht gebucht. Das passiert einfach im Verborgenen.
Und das ist das Problem, das ich mit Michael in dieser Folge durchleuchte: Nicht die rechtliche Dimension – die ist relevant, aber sie betrifft vor allem Fälle extremer Falschdarstellungen. Was uns beschäftigt, ist das alltägliche, schleichende Problem. Die Adresse, die seit drei Jahren nicht mehr stimmt. Das Rechtsgebiet, das bei Anwalt.de noch drin steht, obwohl du dich längst umorientiert hast. Die Bewertungsantwort, die du vor zwei Jahren mit einem falschen Akzent formuliert hast. Alles das fließt in das ein, was die KI über dich denkt – und sagt.
Wie KI über dich spricht – und warum deine Daten entscheiden
Es gibt ein Missverständnis, das ich immer wieder erlebe: Viele glauben, die KI halluziniert frei. Sie denkt sich etwas aus, ohne Basis. Das stimmt teilweise – aber nicht vollständig. In den meisten Fällen arbeitet KI mit dem, was sie findet. Sie aggregiert Signale. Und wenn diese Signale inkonsistent sind, füllt sie die Lücken mit Plausibilitäten.
Stell dir vor, dein Google-Unternehmensprofil nennt dich als Fachanwalt für Arbeitsrecht. Deine Webseite beschreibt dich als Experten für Familienrecht. Bei Gelbe Seiten steht noch eine alte Büroadresse aus 2019. Was macht ChatGPT damit, wenn jemand fragt: „Welche Kanzlei in [Stadt] ist spezialisiert auf Arbeitsrecht?“ Es nimmt, was es hat. Es gewichtet. Es formuliert. Und manchmal liegt es daneben.
Das ist nicht böswillig. Es ist mechanisch. Aber der Effekt ist derselbe: Der Mandant bekommt eine falsche Information, vertraut ihr, und zieht weiter.
Die Lösung ist keine juristische. Die Lösung ist Datenhygiene und aktive Präsenz.
Was du jetzt tun kannst – und solltest
Der erste Schritt ist einfach: Schau nach. Frag ChatGPT, was er über deine Kanzlei weiß. Frag Claude. Gib deinen Kanzleinamen bei Google ein und schau dir an, was im AI-Overview steht, wenn einer erscheint. Das kostet zehn Minuten und liefert dir sofort ein Bild davon, was potenzielle Mandanten zu lesen bekommen.
Was du dabei möglicherweise findest, kann unangenehm sein. Veraltete Informationen. Falsche Schwerpunkte. Fehlende Angaben. Das ist normal – und es ist behebbar.
Der zweite Schritt: Sorge für Konsistenz. Deine NAP-Daten – Name, Adresse, Telefonnummer – müssen auf allen relevanten Plattformen identisch sein. Google-Unternehmensprofil, Anwalt.de, Ördling, Gelbe Seiten, deine eigene Website. Jede Abweichung schickt widersprüchliche Signale an die KI. Und widersprüchliche Signale erzeugen Fehler.
Der dritte Schritt: Kommuniziere deine Spezialisierung klar und konsistent. Wenn du Familienrecht machst, dann steht das überall. Wenn du dich in den letzten zwei Jahren auf Erbrecht fokussiert hast, dann aktualisiere alle Einträge. Die KI braucht konsistente Signale, um dich richtig zu beschreiben.
Der vierte Schritt: Bewertungen sind nicht optional. Sie sind Teil des Signals, das KI über dich erhält. Jede Google-Bewertung, auf die du professionell antwortest, jedes Testimonial auf deiner Website, jedes Interview oder jeder Fachartikel, der von dir spricht – das alles formt das Bild, das die KI zeichnet. Wer hier aktiv ist, steuert das Narrativ. Wer passiv ist, überlässt es dem Zufall.
Dein Online-Auftritt ist eine wirtschaftliche Entscheidung
Ich sage das immer wieder, weil es immer noch nicht angekommen ist: Dein Online-Auftritt ist dein wichtigstes wirtschaftliches Asset. Nicht das Kanzleischild. Nicht das Netzwerk. Nicht der Ruf im Kollegenkreis. Das, was potenzielle Mandanten über dich finden, wenn sie nachts um 23 Uhr nach einem Anwalt für ihr Problem suchen – das entscheidet.
Jahrzehntelang hat das funktioniert, weil die Suche statisch war. Du hattest eine Webseite, Google hat sie gefunden, der Mandant hat sich gemeldet. Heute liest die KI deine Webseite, aggregiert sie mit allem, was sie sonst noch über dich findet, und formuliert eine eigene Aussage. Diese Aussage steht vor allem anderen. Sie wird gelesen, bevor jemand auch nur auf einen Link klickt.
Wer das ignoriert, verliert jeden Monat Mandate, ohne es zu merken. Das ist die schlechteste Art von Verlusten – die unsichtbaren.
Was das LG-Urteil für die Zukunft bedeutet
Das Münchner Urteil ist noch nicht rechtskräftig, aber es sendet ein Signal. Dass man sich gegen falsche KI-Darstellungen wehren kann, ist gut. Dass man das überhaupt muss, ist das eigentliche Problem. Und Prozesse gegen Google zu führen – das dauert, kostet Geld, und man muss den Nerv dazu haben.
Viel klüger ist es, so weit gar nicht kommen zu lassen. Wer seinen Online-Auftritt pflegt, wer konsistente Signale sendet, wer aktiv an seiner digitalen Reputation arbeitet, der gibt der KI das richtige Material. Und dann schreibt sie auch das Richtige über ihn.
Das ist keine Raketenwissenschaft. Es ist konsequente Pflege des wichtigsten Kanals, den du hast.
Fazit: Nicht warten, bis etwas falsch läuft
Mein Appell an dich ist einfach: Mach es jetzt. Nicht wenn etwas Schlimmes passiert. Nicht wenn du herausfindest, dass ChatGPT behauptet, du seist 2015 umgezogen obwohl du noch in derselben Kanzlei sitzt. Jetzt, proaktiv, als Teil deines normalen Kanzlei-Marketings.
Geh auf corominas-consulting.de, trag dich für ein kostenloses Erstgespräch ein, und wir schauen gemeinsam, wo dein Online-Auftritt gerade steht – und wie wir sicherstellen, dass die KI das Richtige über dich sagt.
Denn die Mandanten, die du nicht siehst, sind trotzdem echte Mandanten. Sie entscheiden sich nur für jemand anderen.